Vereinsaktivitäten

Vereinsexkursion auf den Spuren der Zwergmaus (November 2022)

Die Zwergmaus (Micromys minutus) ist eine gefährdete Art, welche in der Schweiz nur noch an wenigen Standorten vorkommt. Umso bedeutender ist es, diese Standorte zu kennen, vor negativen Einflüssen zu schützen und die Pflege der Gebiete auf die Bedürfnisse der Zwergmaus abzustimmen

Unter der fachkundigen Leitung von Michel Blanc machen sich die Minimus-Mitglieder auf die Pirsch in einem Gebiet, in welchem bereits vor einigen Jahren einzelne Nachweise gemacht werden konnten. Gesucht wird nach Zwergmaus Sommernestern, welche die Tiere geschickt mit Seggen in die stehende Vegetation flechten. Es braucht einige scharfe Augen, um die gut versteckten Nester zu finden und nicht immer ist mit einem Nest der Nachweis schon gelungen. Die Haselmaus baut in diesem Habitat nämlich ganz ähnliche Nester und die Unterscheidung ist nicht immer einfach.

Doch es wird ein bereichernder Tag mit doch insgesamt 16 Nestern, mindestens 2 davon sicher durch die Zwergmaus erschaffen! Der Austausch der Erfahrungen und die guten Gespräche gehen am Abend bei leckerem libanesischem Essen weiter und wir danken allen für diesen gelungen Anlass.

Wenn Ingenieure und Biologen zusammenspannen (Okt 2022)

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr lud Minimus zu einem e-Vortrag ein. Dieses Mal haben sich auch einige externe Hörer zugeschaltet, um den Vortrag von  Stefan Bosch, Peter Lurz und Thomas Haalboom zu hören.

Seit vielen Jahren arbeiten die drei nun zusammen und entwickeln immer wieder neue Ideen zum Nachweis von Kleinsäugern und ihren Lebensdaten. Dazu gehört zum Beispiel die Small Mammal Monitoring Unit, eine Apparatur, die aus der Sicht eines kleinen Säugetiers vor allem eine Futterstation ist. Klettert eine kleine "Naschkatze" in die Futtereinheit, beginnt die Datenerfassung: ein Foto wird geknipst, eine Haarprobe vom Rückenfell bleibt in der Apparatur kleben und auch das Gewicht des Tierchens, sowie seine Hinterfusslänge können - im Idealfall - erfasst werden.

Selbstverständlich ist die Natur voller Überraschungen, an die in der Tüftelkammer niemand gedacht hat. Ein Fall für Thomas' Studenten an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, die immer wieder Prototypen bauen und mit Peter und Stefan im Feld auf ihre Tauglichkeit prüfen. Zuletzt konnten die drei beim Deutschland weitem Projekt Gartenschläfer erprobte Monitoringeinheiten (DoMos) einsetzen und wertvolle neue Erkenntnisse zu dieser Schlafmaus und zum Monitoring von Kleinsäugern allgemein beisteuern. Die sehr anschaulichen Präsentationen wurden schliesslich durch eine angeregte Diskussion abgerundet.

2. Kleinsäugersymposium, Aarau, 30. April 2022

Nach vier Jahren Unterbruch fand das 2. Kleinsäugersymposium der Arbeitsgruppe Kleinsäuger der SGW im Naturama Aarau statt. Beinahe fünfzig TeilnehmerInnen trafen sich zu wertvollen Vorträgen und Diskussionen. Dabei stand insbesondere das Monitoring von Kleinsäugern im Vordergrund, wobei ein besonderes Augenmerk der Verfeinerung bzw. neuen Nachweismethoden galt. Zwar bieten sowohl die Verwertung von e-DNA, wie auch Sonogramme neue Möglichkeiten zum indirekten Nachweis von kleinen Säugetieren. Eindrücklich wurde aber ebenso aufgezeigt, welche Tücken diese Anwendungen haben. Von der Probennahme bis zur Analyse lauern Gefahren der Verunreinigung und beide Methoden bedingen immer korrekt zugeordnetes Referenzmaterial (also der richtigen Art zugeschriebenene Barcodes bzw. Lautäusserungen). Stuart Newson vom British Trust vor Ornithology teilte mit uns seine Erfahrungen mit der Verwertung von Ultraschall-Aufnahmen, die im Rahmen von Fledermaus-Monitorings aufgenommen wurden und dürfte wohl in nächster Zeit noch mehr Austausch mit TeilnehmerInnen haben. Wie üblich boten die Mittagspause und die Schlussdiskussion Möglichkeit, sich intensiv auszutauschen und rundeten diesen gelungenen und vorzüglich organisierten Anlass ab.

Vortrag Spurensuche Gartenschläfer von Sven Büchner (Jan 2022)

In den letzten 30 Jahren ist der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) in 50% seines Verbreitungsgebietes in Europa verschwunden. Die Ursachen dieses massiven Rückgangs sind nach wie vor ungewiss, obwohl sie von grosser Bedeutung für die langfristige Erhaltung dieser Art sind.

Mit einem grossen Projekt in Deutschland wurde versucht, mehr Informationen über das Vorkommen, Biologie und Gefährdungsfaktren dieser Art zu erhalten. In einem Zoom-Vortrag hat uns Sven Büchner erzählt, wie er und sein Team diese Fragestellungen angegangen ist und hat von den ersten, äusserst pannenden Ergebnissen berichtet. In der anschliessende Diskussion würden viele Ideen besprochen, wie die Erkentnisse aus Deutschland auf die Schweiz übertragen werden könnten und wie diese zur Erhaltung und Förderung des Gartenschläfers in der Schweiz genutzt werden können.

Weitere Informationen: www. gartenschlaefer.de

Vereinsexkursion auf der Suche nach Haselmaus-Winternestern (November 2021)

Inspiriert durch den Minimus-Vortrag von Leonardo Gupert am 6. Mai 2021 zum Thema «Wo überwintern Haselmäuse» machten sich am 6. November 2021 13 Kleinsäugerinteressierte auf die Suche nach Winternestern der Haselmaus. Die Suche fand im Projektgebiet des Förderprogramms Haselmaus in Winterthur Töss statt. Rund um Nestboxen, in welchen im Sommer Haselmäuse ihre Nester hinterlassen haben, wühlten alle motiviert durch Laub und Moos. Obwohl die Suche nach der «Nadel im Heuhaufen» erfolglos blieb, machten sich die Vereinsmitglieder gut gelaunt und mit einigen Informationen über das Förderprogramm sowie die Herausforderung des Überwinterns für die Haselmaus wieder auf den Heimweg.

Vortrag Winternester Haselmaus - Leonardo Gubert (University of Exeter, UK), Mai 2021

In einem spannenden Online-Vortrag erläutert uns Leonardo Gubert von der Universität Exeter was man über die Überwinterung der Haselmaus (Muscardinus avellanarius) weiss. Besonders eindrücklich ist dabei, dass Studien eine Wintermortalität von bis zu 80% festgestellt haben. Um dem auf den Grund zu gehen, müsste man erst einmal herausfinden, wo sich die Tiere im Winter genau aufhalten. Leonardo nimmt uns mit auf eine spannende Spurensuche mit verschiedenen erforschten Methoden. Einmal mehr ist es faszinierend, wie geschickt die Haselmäuse aus direkt vor Ort auffindbarem Material ihre Nester bauen und uns ihr entdecken damit zu einer grossen Herausforderung werden lassen.

Mitgliedertreffen Minimus 21.10.20

Das diesjährige Mitgliedertreffen des Vereins fällt in  eine Zeit, in welcher soziale Aktivitäten und Austausch nicht selbstverständlich sind. Davon lassen sich die engagierten Mitglieder des Vereins jedoch nicht abhalten und treffen sich einfach im virtuellen Raum. Zwei spannende Vorträge geben Einblick in laufende Forschungsfragen: Murielle Neuhaus präsentiert ihre Bachelorarbeit zum Vergleich zweier potenziellen Wieselhabitate im Tafeljura (BL) und im Jurapark (AG, SO). Sie erörtert den Einfluss von verschiedenen Habitatfaktoren und der Präsenz von Wühlmäusen als Beutetiere auf die Nachweise der Wiesel in den beiden Gebieten. Karin Feller von der Vogelwarte Sempach zeigt aufgrund einer ganz anderen Art, dem Waldlaubsänger, die komplexen und spannenden Interaktionen zwischen Habitatfaktoren, Räubern und Beute. Sie zeigte auch auf, wie unerwartet die Zusammenhänge manchmal sein können und dass die augenscheinlichsten Erklärungen nicht immer auch die treibenden Faktoren sind.

Fangaktion Kleinsäuger Kanton Uri (September 2020)

In 2019 wurde im Kanton Uri ein neuer Nachweis der Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) gemacht. Dieser Fund war ein Highlight, warf aber auch neue Fragen auf, denn die nächstgelegenen Beobachtungen lagen in anderen Talschaften, also geographisch durch Bergrücken getrennten Orten. War diese Beobachtung ein Zufall? Und wie sind die Tiere dorthin gekommen?

Dem wollte der Vorstand von Minimus nachgehen und organisierte vom 9. bis 11. September eine Kleinsäugerfangaktion im Kanton Uri. Drei Tage wurden rund 100 Lebendfallen an für die Art geeignete Lebensräume gestellt und drei Mal täglich kontrolliert. Und tatsächlich, die Art konnte am Standort bestätigt und an zwei weiteren zusätzlich nachgewiesen werden. Sie hat also in diesem Gebiet ein überlebensfähiges Vorkommen. Der Verein widmet sich nun weiteren Fragen wie mit welchen Populationen die Tiere in Uri am nächsten verwandt sind oder wie die Art im Gebiet am besten erhalten und gefördert werden kann.

Lebensraum der Feldspitzmaus
Lebendfalle für Kleinsäuger
Feldspitzmaus (Crocidura leucodon)
Exkursion Haselmaus-Projekt Zürich (August 2019)

An einem schönen Nachmittag im Spätsommer treffen sich die Mitglieder des Vereins am Bahnhof Zürich Stettbach. Weit und breit sind hier keine Lebensräume zu sehen, welche der scheuen Haselmaus (Muscardinus avellanarius) ein sicheres Zuhause bieten könnten. Nach einer kurzen Fahrt zum Projektgebiet «Bannhalde» bei Winterthur Töss ändert sich diese Einschätzung. Wo einst ein dichter und eher eintöniger Laub-Mischwald stand, wurden ungefähr acht Hektaren Wald aufgelichtet, so dass eine vielfältige, gestufte Vegetation entstand. Angrenzende, überalterte Hecken wurden verjüngt, neue Hecken gepflanzt, Verstecke aus Ästen und Steinen geschaffen. Sogar eine Haselmausbrücke über Flurwege wurde gebaut, über welche sich die waghalsigen Tiere zwischen den Lebensräumen hin und her bewegen können. Leider lassen sich bei der Kontrolle der aufgehängten Nistkästen keine Haselmäuse blicken, dafür ein paar Rötelmäuse, die es sich in der komfortablen Behausung gemütlich gemacht hatten. Bei der Gelegenheit tauschen sich die Mitglieder über ihre Erfahrungen in ähnlichen Projekten aus und analysierten Trittsiegel aus Spurentunnel. Dank der engagierten Förster soll nun mit einer dynamischen Pflege die Lebensräume-Vielfalt mit einer Vegetation unterschiedlicher Entwicklungsstadien zu erhalten.

für Haselmäuse aufgewerteter Waldrand
Kontrolle einer Nestbox für Haselmäuse
Haselmausnest